Platin­si­li­kon-Dichtung Ø 550 mm im Diffe­renz­druck­ver­fah­ren

Für eine technisch anspruchs­vol­le Runddich­tung mit 550 mm Durch­mes­ser und ca. 50 mm Bauhöhe musste ein chemie- und tempe­ra­tur­be­stän­di­ges Platin­si­li­kon zuver­läs­sig durch unter­schied­li­che Höhen, Durch­brü­che und Hinter­schnei­dun­gen geführt werden.

Entschei­dend war dabei nicht nur das Materi­al. Mit einer Füllmen­ge von rund 2,5 kg Silikon und einer komple­xen Formgeo­me­trie wurde auch die vollstän­di­ge und blasen­freie Formfül­lung zur eigent­li­chen Heraus­for­de­rung.

Gelöst wurde die Aufgabe mit einer CNC-gefräs­ten Alumi­ni­um­form und unserem Diffe­renz­druck­ver­fah­ren. Nach erfolg­rei­cher Bemus­te­rung konnte daraus eine Klein­se­rie von 60 Dichtun­gen gestar­tet werden.

Detailansicht einer Platinsilikon-Dichtung mit unterschiedlichen Bauhöhen und Hinterschneidungen

Die Aufga­ben­stel­lung

Gefer­tigt werden sollte eine runde Platin­si­li­kon-Dichtung mit 550 mm Durch­mes­ser und ca. 50 mm Bauhöhe.

Die Geome­trie bestand aus unter­schied­li­chen Höhen­stu­fen, Durch­brü­chen und Hinter­schnei­dun­gen. Gleich­zei­tig musste die Dichtung über ihre gesamte Fläche zuver­läs­sig abdich­ten.

Dafür waren drei Punkte entschei­dend:

  • möglichst gerin­ges Schwin­dungs­ver­hal­ten
  • definier­te Shore-Härte von ca. A 65
  • Bestän­dig­keit gegen­über Tempe­ra­tur und chemi­scher Beanspru­chung

Durch die unter­schied­li­chen Bauhö­hen durfte es nach der Aushär­tung zu keinen relevan­ten Verfor­mun­gen oder Maßab­wei­chun­gen kommen, die die Dicht­funk­ti­on beein­träch­ti­gen.

Warum Platin­si­li­kon einge­setzt wurde

Für die Dichtung wurde ein spezi­ell abgestimm­tes Platin­si­li­kon benötigt, weil mehrere Anfor­de­run­gen gleich­zei­tig erfüllt werden mussten.

Das Materi­al sollte:

  • chemisch bestän­dig
  • tempe­ra­tur­be­stän­dig
  • maßsta­bil und schwund­arm
  • mit etwa Shore A 65 ausrei­chend fest und dennoch elastisch sein

Ein Standard-Silikon­sys­tem erfüll­te diese Kombi­na­ti­on der Anfor­de­run­gen nicht. Entschei­dend war ein Werkstoff, der die komple­xe Geome­trie sicher abbil­det und gleich­zei­tig die gefor­der­te Dicht­funk­ti­on dauer­haft unter­stützt.

CNC-gefräs­te Alumi­ni­um­form

Für die Dichtung wurde eine CNC-gefräs­te Alumi­ni­um­form mit etwa 600 × 600 mm und rund 70 mm Höhe einge­setzt.

Die hohe Formstei­fig­keit war wichtig, weil während des späte­ren Diffe­renz­druck­ver­fah­rens erheb­li­che Druck­un­ter­schie­de zwischen oberer und unterer Kammer auftre­ten können.

Zusätz­lich wurden in den vier Eckbe­rei­chen der Form kleine­re passen­de Dichtun­gen integriert. So konnten diese im gleichen Gießvor­gang mitge­fer­tigt werden.

Alumi­ni­um hatte hier außer­dem einen weite­ren Vorteil: Die Form lässt sich beim anschlie­ßen­den Tempern gleich­mä­ßig und kontrol­liert erwär­men.

Materi­al­vor­be­rei­tung vor dem Gießvor­gang

Für den Gießvor­gang wurden rund 3 kg Platin­si­li­kon vorbe­rei­tet. Die eigent­li­che Füllmen­ge der Form lag bei etwa 2,5 kg.

Das Einrüh­ren des Vernet­zers erfolg­te mit einem schritt­mo­tor­ge­trie­be­nen Rührsys­tem. Dadurch konnte auch diese vergleichs­wei­se große Materi­al­men­ge kontrol­liert und homogen vermischt werden.

Anschlie­ßend wurde das Materi­al nochmals evaku­iert, bevor der eigent­li­che Füllvor­gang begann.

Wichtig war dabei, Luftein­schlüs­se bereits vor der Formfül­lung so weit wie möglich aus dem Materi­al zu entfer­nen.

Formfül­lung unter konstan­tem Diffe­renz­druck

Nach dem Evaku­ie­ren und Einrüh­ren des Vernet­zers wurden obere und untere Kammer vonein­an­der getrennt.

Das Platin­si­li­kon wurde über einen spezi­el­len Trich­ter in die Form geführt. Während in der unteren Kammer weiter­hin Vakuum gezogen wurde, konnte die obere Kammer gezielt bis in Richtung Atmosphä­ren­druck gebracht werden.

Dadurch blieb während des gesam­ten Füllvor­gangs ein wirksa­mer Diffe­renz­druck bestehen.

Aufgrund der komple­xen Geome­trie benötig­te die vollstän­di­ge Formfül­lung rund 20 Minuten. Entschei­dend war dabei, dass das Vakuum in der unteren Kammer während des gesam­ten Vorgangs erhal­ten blieb.

So konnte das zähe Platin­si­li­kon auch durch Höhen­stu­fen, Durch­brü­che und Hinter­schnei­dun­gen sicher in alle Formbe­rei­che gelan­gen.

Ergeb­nis: vollstän­dig gefüllt und serien­fä­hig

Nach dem Aushär­ten zeigte die Dichtung eine saubere, homoge­ne Oberflä­che ohne sicht­ba­re Luftein­schlüs­se.

Auch die komple­xen Berei­che der Form wurden vollstän­dig ausge­füllt. Die Dichtung passte wie vorge­se­hen und erfüll­te die gefor­der­te Dicht­funk­ti­on.

Nach erfolg­rei­cher Bemus­te­rung und Freiga­be durch den Kunden konnte die Ferti­gung als Klein­se­rie mit 60 Stück gestar­tet werden.

Der Kunde bleibt aus Vertrau­lich­keits­grün­den ungenannt.

Platin­si­li­kon, ca. Shore A 65

Chemie- und tempe­ra­tur­be­stän­dig, schwund­arm und für die Dicht­funk­ti­on abgestimmt.

Ø 550 mm / ca. 50 mm Bauhöhe

Mit unter­schied­li­chen Höhen, Durch­brü­chen und Hinter­schnei­dun­gen.

Ca. 20 Minuten Formfül­lung

Unter konstan­tem Diffe­renz­druck bei weiter­lau­fen­dem Vakuum in der unteren Kammer.

60 Stück Klein­se­rie

Nach erfolg­rei­cher Bemus­te­rung und Freiga­be durch den Kunden.

„Im Differenzdruckverfahren gefertigte Silikondichtungen aus 2K-Platinsilikon mit präzisen 0,4 mm Wandstärken, abgegossen aus einer festen 3D-Druck-Form.“

Techni­sche Silikon­bau­tei­le im Diffe­renz­druck­ver­fah­ren

Der Praxis­fall zeigt, wie Materi­al­aus­wahl, Formkon­struk­ti­on und Diffe­renz­druck­tech­nik zusam­men­wir­ken, wenn hochvis­ko­se Siliko­ne komple­xe Geome­trien vollstän­dig ausfül­len müssen.

Mehr zum Materi­al und zu unseren Möglich­kei­ten finden Sie unter PU-Harze & Platin­si­li­ko­ne.

Das zugrun­de liegen­de Ferti­gungs­ver­fah­ren erläu­tern wir ausführ­li­cher unter Vakuum­guss.

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